Es sind schon (erst) 3 Monate

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Wie oft habe ich in den letzten Wochen vor meinem viel zu vollem Kleiderschrank gestanden und doch nichts passendes gefunden. Mindestens zehn Mal habe ich meine Lieblingshose anprobiert, um festzustellen, dass der Knopf nicht mal ansatzweise zu schließen geht. Und auch die 10 anderen Jeans  gehen nicht, ohne tiefe Druckstellen auf dem viel zu weichen und immer noch deutlich zu rundem After-Baby-Bauch zu hinterlassen, zu. Weinend stand ich vor einem riesigen textilen Berg, der gut und gerne die Schränke zweier Frauen füllen könnte und fand doch nichts zum anziehen.

„Es sind doch erst drei Monate vergangen“ versuchte mein Mann mich erst letzte Woche aufzuheitern.



JA es sind schon drei Monate vergangen! Ein viertel Jahr – ganze 12 Wochen




3 Monate, in denen dieses kleine Wesen unser Leben aber mal sowas von ordentlich auf den Kopf gestellt hat, das es mich ehrlicherweise mit voller Wucht und ungebremst getroffen hat. Es ist ja nicht so, dass mich nicht der Ein oder Andere vorgewarnt hätte, dass das Leben mit 2 kleinen Kindern doch nochmal eine andere Hausnummer ist. Ja, ich hab Euch damals ehrlicherweise nicht so wirklich geglaubt.

3 Monate, in denen ich schon um 9:30 Uhr anfange Mittag zu kochen, weil ich nicht vorhersehen kann, wann die kleine Milchvampirella wieder Hunger hat und wie lange ich dann an die Couch gefesselt bin. Schon seltsam, wenn einem auf einmal Spaghetti mit Fertig-Pesto wie eine Sternekoch-gekrönte Meisterleistung vorkommt.

3 Monate, in denen ich ständig versuche, der Großen Tochter in den wenigen Minuten, in denen mich das Minimädchen mal durchschnaufen lässt, wieder die Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen, die sie 3 Jahre lang von uns gewohnt war und natürlich auch heute noch braucht. Manchmal wünsche ich mir wirklich einen Mamaklon, damit ich nicht ständig das Gefühl habe mich zerteilen zu müssen.

3 Monate, in denen ich Welten davon entfernt bin, mich wieder so attraktiv zu fühlen wie vorher. Schminke zum Beispiel sieht mein Gesicht momentan höchst selten und auch dann lassen sich die Ringe unter den Augen kaum wegschummeln. Duschen ist ahtuell eher eine sportliche Sprintleistung, als ein entspannendes Wellnessritual.

3 Monate, in den meine eh immer schon viel zu lange To-DO-Liste ungeahnte Ausmaße annimmt und ich weiß, dass ich sie NIE im Leben zeitnah abarbeiten werde. Ich fühle mich schon wie Superwomen, wenn ich - das Minimädchen in der Trage- es fertig bringe, die Wohnung einmal komplett durchzusaugen. Es kratzt an meinen Nerven  immer wieder Dinge aufschieben zu müssen, die eigentlich schon längst hätten erledigt sein sollen. Mittlerweile habe ich sogar aufgegeben To-Do-Listen zu schreiben, da ich durch ihre schier unendliche Länge nur noch mehr dran erinnert werde, wie wenig ich momentan schaffe.

3 Monate, in denen mich ein oft weinendes und wütendes Bündel Leben, meine momentan einzige sich in Dauerschleife wiederholende Checkliste abhaken lässt – HUNGER, KUSCHELN, WINDEL-CHECK, KUSCHELN, MÜDE und wieder von vorn.

3 Monate, in denen sich scheinbar meine Hirnzellen den Schlaf holen, den mein Körper nicht bekommt. Oder wie ist es so plötzlich zu erklären, dass ich unter einer scheinbar und hoffentlich temporären Demenz leide und ich mir nichts, aber auch garnichts mehr merken kann. Eine ungeahnte Verschwinderietis von Schnullern und Schlüsseln, die urplötzlich an wirklich seltsamen Orten wieder auftauchen und ich mich beim besten Willen nicht entsinnen kann, sie jemals dort abgelegt zu haben. Ich sag nur Sockenschublade …!!!!!!!
Neulich im Supermarkt, stand ich total verloren am Eingang und fühlte mich für einen kurzen Moment wie in einer Blase. Warum war ich nochmal hier? Ja ich wollte noch ein paar Dinge fürs Mittagessen besorgen- ich weiß noch es waren 3 Dinge, aber UM HIMMELS WILLEN was war das nochmal??? Da hilft es momentan auch kaum einen Einkaufszettel zu schreiben, denn der bleibt garantiert zu Hause liegen, weil ich ihn VERGESSEN habe.
Langsam finde ich die Sache mit der Stilldemenz echt nicht mehr lustig!!! Fragt mal meinen Ehemann!

3 MONATE – ich bin müde, ausgelaugt, erschöpft, manchmal auch traurig, frustriert, überfordert und genervt!




ABER wisst ihr was ich trotz all dem noch bin - ich bin seit 3 Monaten auch unendlich GLÜCKLICH und so voller LIEBE.
Glaubt man bei all dem Chaos kaum – IST ABER SO.
Ich bin keine perfekte Supermum und unsere Tage sind oft genug noch weit entfernt davon, die einer Bilderbuchfamilie zu sein, aber seit drei Monaten ist da eine Wärme in meinem Herzen, die mich am Ende des Tages doch seelig schlafen lässt – zumindest immer mal wieder 2-3 Stunden am Stück ;-)
Ich  habe zwei gesunde Töchter und einen liebevollen, geduldigen Ehemann. Das ist alles was am Ende des Tages zählt.

Und genau dieser Lieblingsmann ist es auch, der aus dem SCHON ein ERST macht. Und mir das immer wieder vor Augen hält. Danke mein Schatz




Erst 3 Monate ist es her, dass ich noch ein Baby bekommen habe!!!  Erst 3 Monate sind wir komplett und hatten Zeit uns zu finden und uns an ein gemeinsames Leben zu gewöhnen.
So viel Zeit liegt noch vor uns, in der jeden Tag mehr Ordnung ins Chaos rückt, in der ich lerne nur die wirklich wichtigen Dinge auf eine To-DO-Liste zu setzen und dass sich die Uhren eben jetzt wesentlich gemütlicher drehen, ich mir langsam bewusst werde, das mich zu teilen niemand verlangt und ich mich voll und ganz auf das zweite Mal Mamasein einlassen kann - mit all seinen Turbolenzen, Höhen, Tiefen und Momenten voller Glückseeligkeit. 

Und auch dank diesem Lieblingsmann wird mindestens die nächsten drei Monate nicht mehr vorm Kleiderschrank geweint, denn 2 neue Hosen eine Nummer größer, tun nicht nur der Seele gut, sondern auch dem sonst so eingequetschten, immer noch schwabbeligem After-Baby-Bauch ;-)


 Schnitt: "Wickelbody" von Klimperklein
Stoff: "La Ville" von Alles für Selbermacher










***dieser Post enthält Werbung***

Kommentare:

  1. Jetzt sitze ich hier beim Essem, lese deinen Bericht, während mein 3 Monate altes Mini-Me im KiWa auf der Terasse schläft und fühle mich unglaublich mutig, dass ich nicht erst schnell aufesse -sie könnte ja gleich wach werden ^^
    Ich lese solche Berichte so gerne, sie sind so wahr.
    Erst gestern hatten wir es wieder: mein Manm wollte mir mal 1 1/2 Std für mich geben (schlafen) und fuhr mit der Kleinen los etwas besorgen. Nach kurzer Zeit bekam ich einen Anruf, die Kleine ist wach und lässt sich nicht beruhigen. Er stehe bei Mc's auf dem Parkplatz und kommt nicht vor und nicht zurück.
    Also raus aus der Wohlfühloase (Bett) und 30km Richtung Mann und Kind.
    Am Ende war Sie einfach nur total müde und zu Hause angekommen, brauchte der Mann erstmal Pause (PC ^^) und das Kleine war putzmunter ( hatte ja nun gut geschlafen)und wollte bespaßt werden. Ja so ist das eben :) aber es ist trotzdem das Schönste von der Welt und es ist gut so wie es ist. Kinder machen es auch irgendwie alles entspannter, sie "nehmen" einem quasi die Geschwindigkeit und legen einem einen langsameren Gang ein.
    Lg oonellioo

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    1. hahah ... dieses Gefühl von mutig sein kenn ich :-)

      Du hast so Recht, damit, dass sie einem die Geschwindigkeit nehmen und darauf sollten wir uns auch einlassen, denn diese Welt dreht sich manchmal einfach viel zuschnell und auch wir Erwachsenen sollten einfach mal inne halten und genießen :-)

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. Das kommt mir alles sehr bekannt vor.
    Die Stilldemenz fand ich auch ganz schlimm. Einmal saß ich im Auto und hatte das Gefühl das Baby vergessen zu haben mitzunehmen. Dem war aber nicht so. Da musste ich doch sehr lachen.
    Hier gab es auch Zeiten, in denen ich mir gewünscht habe, ich könnte mich klonen. Die Große musste ich auch oft vertrösten, da sie warten musste, weil das Baby dauergestillt werden wollte.

    Aber eines kann ich dir sagen....es wird besser....mit der Zeit.

    LG Roksana

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    1. Ich glaub da wäre ich auch erstmal schallend vor Lachen ins Lenkrad gefallen ;-) Schön zu hören, dass es nicht nur mir so ergeht und es vorbei geht

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Du sprichst mir aus der Seele ....du hast es so schön in Worte gefasst! danke alex

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  4. Es tut immer wieder gut zu lesen, dass es auch anderen so geht. Das nicht alles perfekt ist.

    Lass es gemütlich angehen und genieße die Zeit.

    Liebe Grüße,
    Cornelia

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    1. Das werden wir ♥ Ja und auch mir tut es gut, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht :-)

      LG
      Sabrina

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  5. Wundervolle Worte für das wundervollste Chaos ;-) schön zu lesen, dass es uns halt doch irgendwie allen gleich geht. Ich hatte um genau zu sein fuer 2 Jahre 4 Monate Mütter mit meinem Blick Angst eingejagt, wenn der Spruch gefallen ist " ein Kind ist kein Kind".....ich dachte welch Unverschämtheit, ich bin mit einem Kind schon mehr als ausgelastet. Dann wurde Nummer 2 geboren und schon nach kurzester Zeit wusste ich wie easy doch nur ein Kind ist. Dieses Zerteilen ist das haerteste - aber gleichzeitig laesst uns doch exakt dieses Gefuehl erst komplett fuehlen. Fuehl dich lieb umarmt, kati

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    1. ♥♥♥
      Danke für deine lieben Worte

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  6. 3 Monate pures Glück!!! Wunderbar geschrieben, eine tolle Liebeserklärung <3 Hier passen zwar die Lieblingsjeans wieder, aber das Chaos rund um Mittagessen, Aufmerksamkeit und aufgeräumtes Heim sehen nach nun 11 Monaten auch oft genug noch ähnlich aus. Geregelter Alltag? Ja na ja. Wir stehen auf, essen (irgendwann), holen (mehr oder weniger) pünktlich und mehr oder weniger hungrig - zumindest einer von uns - die große Schwester aus der Kita ab. Wir bringen den Nachmittag rum, mal mit, mal ohne Mittagsschlaf. Und abends kommt dann irgendwann der liebste Mann nach Hause. Es gibt Abendessen und Familienzeit, die lang oder kurz, wild oder ruhig sein kann, je nach Dauer und Stimmung. Aber eines ist es sicher immer: ein oft anstrengender, aber unendlich lohnenswerter, lehrreicher Tag mit der weltbesten Familie überhaupt. Mit ausreichend Chaos, um der Kreativität Raum zu geben.
    Herzliche Grüße, Sandra

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